Team: Klaas und Michael Naumann

Bootstyp: ICE (Australien, Bj. 1995 /Frühjahr 2021 generalüberholt als „Lockdown Papa-Sohn-Projekt“)

Bootsnummer: 154

Segel: bunt gemischt aus Irvine (Fock), Moritz (Groß), Alexander (Gennaker)

Foil: Bieker 3

Vereine: Warnemünder Segel-Club e.V. und Verein Deutscher Speedsurfer e.V.

Revier: Rerik, Rostock und Müritz

Das Team über sich:

In unserem Familienteam ist Junior Klaas der Steuermann. Er segelt seit Herbst 2018 im Optimist und hat ganz klar die größere Routine an der Pinne, denn Papa Michael windsurft seit dem Jugendalter. Damals war er auch öfter als Besatzung auf Traditionsseglern unterwegs. Seit 2001 surft er aktiv Regatten auf nationaler und internationaler Ebene in den Disziplinen Formula Windsurfing (taktisches Kursrennen), Slalom und ab 2007 auch Speedsurfen. Mit Familienzuwachs wurden die Regattateilnahmen zwar etwas weniger, aber die Faszination an schnellen windangetriebenen „Spielzeugen“ ist ungebrochen. Seit 2019 sind wir zwei zusätzlich im RC Segeln (remote controlled) aktiv und segeln mit 65 cm Rumpflänge die kleinste Regattaklasse im Deutschen Seglerverband, die sogenannte RG65. Somit verfügen wir zwei über das nötige „Regatta-Gen“ mit Gleichgesinnten um Bojen zu heizen. Ab 2021 ist nun auch ein „Fourteen“ in der Familienflotte am Start.

Die „Werftzeit“ 7. Februar bis 30. Mai 2021:

Großprojekt „Bootsbau im 1:1 Maßstab“ – Restauration eines „International 14 Skiffs”

Eigentlich hatten wir für die letzte Wintersaison 2020-2021 einen kompletten Neubau als Drei-Generationen-Projekt zusammen mit Opa und mit fachlicher Betreuung unseres Freundes und Bootsbaufreaks Holger ins Auge gefasst. Der Junior wollte etwas schnelleres als seinen Optimisten segeln und Holger hatte auch gleich den passenden Vorschlag mit Bauplan zur Hand. Eine I550 (https://i550sailboat.com) sollte es werden. Vor Jahren hatte er selbst dieses Projekt schon begonnen aber dann mitten im Bau leider verworfen. Die Vorteile: recht unkompliziert zu bauen, pragmatisch mit Hubkiel leicht und fast überall ins Wasser zu bringen und bis 20 kn schnell. Leider wurden wir durch die Pandemie-Restriktionen sowohl von Rohstoffen (6 m lange Sperrholzplatten gibt es nicht gerade um die Ecke) als auch von unserem Bootsbau-Freund in Lübeck abgekapselt und das Projekt lag seit November auf Eis.

Im Februar erreichte mich während einer Schiffsexpedition im Gotland Becken plötzlich die Nachricht: „da hat sich ein spannendes Projekt aufgetan, sehr preiswert und mit viel Bastelarbeit“. Auf den Fotos in der Anzeige war das Schiff stark heruntergekommen und komplett demontiert (Bastelspass garantiert), es war kostengünstiger als mein teuerster Modellsegler und schnell (genau der Wunsch vom Junior). Also hieß es direkt nach dem Einlaufen einen Hänger mieten und im Schneetreiben auf nach Plön!

„Cloud 9“ heißt unser neues Projekt, wurde 1995 in Australien unter diesem Bootsnamen gebaut, segelt seit 1997 in Deutschland mit mehreren Vorbesitzern. Ursprünglich wollte ein australischer Student in Kiel das Schiff wieder „flott“ machen, ist aber vor Lockdown 1 schnell zurück ins Heimatland gereist. Er verkaufte es an einen Verein am Plöner See. Dort lag es nun ein Jahr herum und nichts passierte. Eigentlich sollte sich die Jugendabteilung der Sache annehmen, aber es kam so erneut auf den Markt.

Die Bootsklasse passt als eine Art „Zwei-Mann-Surfbrett“ ganz gut zu uns. Das extrem kurz-gefasste Regelwerk der Konstruktionsklasse (sogar kürzer als bei den RG65 Kofferraumyachten) kommt uns sehr entgegen. Kurz und knapp, man kann alles selbst bauen und individuell anpassen. Nach etwas Recherche und Kontaktaufnahme zur Klassenvereinigung wurde klar, ein Großteil der Boote und Regatten sind im Umkreis von 3-4 Autostunden von aus Rostock erreichbar, so dass man recht einfach Gleichgesinnte treffen kann.

Nach vier Monaten Bauzeit wurde das Boot wieder klar zum Segeln. Anfangs werkelten der Junior und ich gemütlich an Wochenenden in der warmen-trockenen Garage im Elternhaus in Neubrandenburg (12 Löcher im Rumpf flicken, Deck mit Glas-Carbongewebe „aufhübschen“, Gennakerrohr verstärken, Fußstützen bauen, lackieren, Deck-Patches kleben usw.). Die Endmontage fand ab Ende April in kleinen Häppchen in eher ungemütlichem Schauerwetter hier bei uns vor der Haustür in Warnemünde statt. Für uns Laien war es eher ein 3D Puzzel mit der Vielzahl an Blöcken und Zugführungen. Telefonate mit „Freaks“ der Bootsklasse, brachten stückchenweise „Licht ins Dunkel“, denn uns stand nur eine kryptische Sammlung an wenigen chaotischen Detailfotos ohne Gesamtüberblick des Urzustands zur Verfügung.

Am 30. Mai war es endlich soweit „Einsegeln“ in Boiensdorf am Salzhaff stand auf dem Programm! … natürlich mit Holger unserem Bootsbauberater, denn er hatte das Projekt für uns aufgespürt, also geht er auch mit schwimmen! Vier Stunden Spaß bis kurz vor Sonnenuntergang. Etwa 50:50 segeln und baden. Eine sehr schöne Aktion! Anschließend nahmen wir nach ein paar weiteren Modifikationen Ende Juni an einer von der Klassenvereinigung organisierten Trainingsveranstaltung in Rerik teil. Wir wurden herzlich empfangen und in den vier Tagen mit einer Vielzahl an Tipps versorgt! Dort bekam der Junior erstmalig die Pinne in die Hand und Papa wurde zu seinem Vorschoter. 😉